Archiv für Reviews

Ich hab ja beileibe nicht alle Bandnamen auf dem Schirm, aber ne Kappelle mit dem gleichen Namen kam mir bisher noch nicht unter. Verwunderlich, oder? Denn der Name ist doch eigentlich für Punk, HC oder Kruste einfach prädestiniert wie ich meine. Egal, die Gruppe aus dem Umfeld des AJZ Bielefeld, bedient eben jene genannten Fans, wobei ich wohl Doom vergessen habe, was ja immer mehr in „Mode“ kommt. Denn einerseits brettern die Songs einfach über einen hinweg, um dann aber auch mal schleppende Parts zu Wänden aufzubauen, damit wieder auf Angriff geschaltet werden kann. Passt also perfekt zum Namen der Band. Mit Downloadcode von Rising Riot Records, bzw. hier: http://risingriot.blogspot.com/p/downloads.html. Bocky

Hier im Süden kennt man die Derby Dolls schon recht gut und weiß, dass die Band rattenscharfen Punkrock macht. Ich für meinen Teil habe es aber bisher nicht zu einem einzigen Konzert der Truppe geschafft, bin aber nach dem Hören ihres ersten Longplayer auf jeden Fall ganz schon angefixt. Mir gefällt es, wie unverblümt die 10 Songs daher kommen und sich keine Gedanken um irgendwelche Richtwerte gemacht werden. Ach und wer meint mehr als nur mal reinhören zu müssen, sollte sich beeilen, das Vinyl gibt’s nämlich nur 300x! Leider ohne Downloadcode von der Band. Bocky

Nach dem Staub, den sie seit ihrem Debüt „17 until I die“ aufgewirbelt haben, folgt nun der zweite Longplayer der Amsterdamer Jungs. Mit den zehn neuen Titeln beweisen sie, dass sie bisher keine Augenwischerei betrieben haben, sondern auch drei Jahre nach dem Erstling astreinen HC-Punk vom Stapel brettern. Der Großteil der Leser hat die Embryo Punks sicher schon live gesehen, weil die Gang ständig auf Tour ist. Auf ihren Live-Gigs kann man sich stets von den Qualitäten der Band überzeugen lassen. Wirklich unglaublich wie gut diese jungen Kerle schon sind, da stimmt einfach alles. Jeder einzelne der Jungs legt sich zu 100% in Zeug, weshalb es einen riesen Spaß macht ihnen zuzuschauen oder selbst quer durch den Mob zu fegen. Fantastischer amilastiger Hardcore-Punk mit einem begnadeten Gitarristen und einem total verrückten Sänger. Leider ohne Downloadcode von Dirty Faces. Bocky

(MCD, www.myspace.com/thecute39s)
Breitengüssbach? Da war doch mal was… Habe eigentlich nicht wirklich geglaubt, dass es einen Ort mit diesem Namen tatsächlich gibt. Nur weil es mal Else Admire & The Breitengüssbach Dolls gab. Das heißt doch gar nichts! Aber anscheinend gibt es das Kaff tatsächlich, denn die Cute’s haben ihre Kontaktadresse dort. Muss irgendwo in der Nähe von Bamberg sein. Ist ja aber auch egal. Was zählt ist die Mucke: Schnörkelloser Old School Punk in Dreier-Besetzung mit Rikarda am Gesang, die stimmlich ein bisschen an Kim Shattuck von The Muffs erinnert, plus zwei Jungs an Gitarre und Drums. Nix Weltbewegendes, aber ordentlicher und schwungvoller Low Fi-Punkrock, der sich hören lassen kann. Vier Songs auf DIY-CD im Pappschuber… Alles sehr charmant. Die Songs gibt’s auch alle bei Murdochs Schaubühne anzuhören. Aber bei Gefallen holt Euch ruhig das Originalprodukt. Da gibt es auch ein kopiertes Faltblatt mit allen Texten und einen Aufkleber gratis dazu – und ihr unterstützt die Band! Verdammte Axt!!! Obnoxious

(CD, Southern Records)
Scheinbar konnten sich die Befürworter (vor allem Penny Rimbaud, Gee Vaucher und Steve Ignorant) der Wiederveröffentlichungen mit den Gegnern (Pete Wright, Phil Free, Eve Libertine) einigen und die remasterten Aufnahmen der Mitbegründer des DIY können nun endlich in einer fast unglaublichen Qualität erscheinen. Und was soll ich euch sagen, meine lieben Brüder und Schwestern, Crass sind auch nach über 30 Jahren unfassbar intensiv. Das Album hat so viel Atmosphäre von Wut und eben ausbrechendem Zorn, dass es nicht verwundert, dass Crass in vielen Belangen, die Punk ausmachten, das Maß aller Dinge sind. Crass waren und sind nämlich für einige grundlegende Veränderungen sowohl im Musikbusiness als auch der Kunst verantwortlich. Sucht man nach den Wurzeln von DIY oder dem für mich als Laien unbeschreiblichen Stil des Artworks landet man unweigerlich bei den Politpunks der damaligen Kommune im sagenumwobenen Dial House, in dem Mastermind Penny Rimbaud heute mit 65 Jahren immer noch lebt. Diese Truppe war maßgeblich an einer Revolution beteiligt, die man bis dato nicht kannte. Fuck Corporate Bullshit war keine leere Phrase, sondern ein tatsächlich gelebter Stil neben dem idiotischen Mainstream. Egal wie lange ich jetzt noch mit Superlativen um mich werfe, in diesen kurzen Worten werde ich nicht dem gerecht, worüber andere mehrere Bücher geschrieben haben. Wer auch nur ansatzweise etwas von Selbstbestimmung hält und deren Anfänge besser verstehen will, kommt hieran sowieso nicht vorbei! Bocky

(7“, My Delight Records)
Zwischen Fehlfarben und Skeptiker war mein erster Gedanke als ich die kleine Scheibe des gemäßigt flotten Dreiers aus Göttingen auf den Plattenteller gelegt hatte. Ein Blick auf’s schlichte, schwarzweiße Papp-Cover – das ein paar Gänse zeigt von denen eine durch einen Trichter gemästet wird (der Trichter setzt sich im schmalen Booklet übrigens fort und setzt die Texte frei) – erinnerte mich an den Hinweis meiner Ex-Kollegin, dass in Frankfurt auf dem Main und in den Parks die heimischen Stockenten immer mehr durch die eingeflogenen Nilgänse vertrieben werden. Meine nachfolgenden vogelkundlichen Beobachtungen bestätigten diese Aussage. Was das mit der 7“ zu tun hat? Nichts. Ich wollte es einfach mal loswerden. Bunkaangst machen das, wovon ich vorhin schon sprach und sind darin gar nicht mal schlecht. Nichts Weltbewegendes, aber was Bewegendes. Der letzte Titel „Schrankwand Eiche rustikal“ erinnerte mich an den Namen einer Band vom Kollegen Hötsch Höhle, die sich einfach nur Schrankwand nannte. Hat aber wieder nichts mit der Scheibe zu tun. Ich bin einfach zu abgelenkt. Zu viele Erinnerungen, die sich hier auftun. Bunkaangst glänzen durch nichts als ihre schlichte Einfachheit und Eindringlichkeit. Unaufdringlich eindringlich und sehr einprägsam. Der Sound von dem ich mir für ruhigere Stunden mehr wünschen würde. Obnoxious

CRASHED OUT – Crash & Burn

| Juli 12th, 2011

(CD, I Hate People Records)
Wow, das ist wahrscheinlich eines der schlechtesten Cover aller Zeiten! Man sollte meinen, dass heutzutage wirklich jeder Photoshop gut genug bedienen können sollte, dass so was nicht dabei rauskommt. Der Schriftzug an sich ist ja schon echt bitter und erinnert einen stark an WordArt, nimmt man dazu aber noch dieses verpixelte hässliche kaputte braun-gelbe Auto, das wohl brennen soll und den lieblosen Albumtitel, der darunter gerotzt ist, macht das die Katastrophe perfekt. Da bin ich echt froh, dass ich die CD bekommen hab, denn wie das ganze auf LP-Größe aufgebläht aussieht, will ich mir gar nicht ausmalen. Das ist echt schade, zumal die Musik gar nicht schlecht ist. Die Band kommt aus England und spielt schon seit 1995 zusammen Punk’n’Roll für die Arbeiterklasse. Da geht’s um dreckigen Rock’n’Roll und Kämpfe in Bars, und andere Dinge die man halt so macht, wenn man ein richtig harter Bursche, oder in einigen Songs auch eine harte Frau, ist. Natürlich geht’s auch um den guten Freund Alkohol, und dass den die Band schon in rauen Mengen zu sich genommen hat, lässt sich deutlich an der Stimme des Sängers heraushören. Fett produziert und auch musikalisch passt alles. Aber einen Ausreißer gibt’s dann doch noch zu beanstanden. Wenn die Band im Song „Son Of A Gun“ singt: „I only wanted what’s always been said, a cook in the kitchen and a whore in bed“ weiß man eben nicht, ob das jetzt den dummdreisten Humor der Band beschreibt oder deren reaktionäre Weltsicht. Für Fans des Genres durchaus zu empfehlen. Martin

(LP, Contra Records)
Es gibt sie also doch noch, die jungen guten Bands, die sich mit frischem Wind in den Segeln auf das wild tosende Meer wagen, weil ihre junge Besatzung schon genügend Erfahrung hat, den heftigen Wellen zu trotzen. Dog Company spielen munteren und gleichzeitig melodischen Streetpunk, deren Songwriting auf eine ereignisreiche Vergangenheit schließen lässt, obwohl noch keiner der Jungs wirklich alt aussieht. Etwas verwirrend finde ich das blau-weiß-rote Vinyl (US-amerikanische Staatsfarben) für eine texanische Band mit MG-Bauanleitung als Cover in Verbindung mit den Texten der Songs „Sean Flynn“ und „Che“. Vor allem weil Letzterer für sie ein Mörder und kein Märtyrer war. Natürlich kann man darüber streiten, was Che Guevara machte, aber das Gesamtbild wirkt schon etwas merkwürdig. Vielleicht ist es aber eben auch nur Paranoia. Rein musikalisch knallen Dog Company wirklich gut einen weg, aber der Rest ist mir doch etwas zu Redneck-lastig. Bocky

DUMBELL – Death Ray

| Juli 12th, 2011

(CD, No Solution Records)
Drei Jahre lang war Dumbell-Mastermind Paul Grace krankheitsbedingt weg vom Fenster. Es scheint ihn wirklich ernsthaft gebeutelt zu haben – nicht von ungefähr kommt der Albumtitel „Death Ray“. Jetzt sind Dumbell zurück auf den Brettern, die die Welt bedeutet. Paul Grace verarbeitet in den 15 Songs viele seiner Gefühle, die er in den vergangenen Jahren durchlebt hat – Angst, Hoffnung, Lebenswille und den nötigen Humor, um die ganze Scheiße zu überstehen. Dumbell knüpfen da an, wo sie aufgehört haben. Auf ihrem vierten Longplayer bieten sie einmal mehr Power Pop, Rock und Punk. Amerikanisch geprägt. Ist zwar nicht unbedingt das, worauf ich mir täglich einen runter hole, aber kann mich als Vorspiel schon mal langsam in Stimmung bringen. Als Gast-Gitarristen wurden dann auch Bernadette von den Gee Strings und sogar Sonny Vincent ins Studio gezerrt. Das nur so am Rande, für diejenigen die auf Name-Dropping stehen. Aber mal im Ernst: „Death Ray“ ist ein ganz okayes PunkRock-Album, das mich zwar wegen Pauls Geschichte persönlich berührt, musikalisch aber nicht gerade vom Hocker reißt. Ich kann den ganzen Poser-Punk und vor allem -Rock – und Experten hören bestimmt auch noch Blues heraus – nur noch eingeschränkt hören. Für Dumbell mach ich aber manchmal eine Ausnahme. Obnoxious