Plastic Bomb #67

| Oktober 27th, 2009

plasic-bomb-67(A4 + CD, 80 Seiten, 3,50 Euro + Porto, www.mailorders.de )
Haha, alleine das Cover macht das Heft kaufenswert. Endlich bekennt man sich dazu, die Bravo unter den Punkzeitschriften zu sein und hat ein sonniges Titelblatt, welches seinesgleichen in bunt sucht! Inhaltlich muss ich aber leider von einem Sommerloch reden. Lediglich Helge ist mit RF7 auf gewohntem Niveau und Ronja hat ein sehr tief schürfendes Gespräch mit Marc von 2nd District. Ansonsten interessiert maximal die Rubrik Anders leben und Punk in Mittelamerika. Der Rest ist ganz arg unterm Durchschnitt, wobei wenigstens Farin Urlaub noch für diverse vernünftige Antworten herhält. Aber was sollen vierseitige Artikel über Deutschpunkklassikeralben oder ein zweiseitiger Anleser für ein Buch, wenn in der Mitte auch noch ein Poster ist? Hoffentlich wird’s bald wieder kälter und die Bomber wissen mehr mit sich anzufangen! Bocky

Young & Distorted #4

| Oktober 27th, 2009

young-distorted-4(A5 + CD, 72 Seiten, 2 Euro + Porto, www.provinzpunk.at )
Gleich auf den ersten Blick hat mir die nunmehr vierte Ausgabe des Young & Distorted-Zines aus Österreich sehr gut gefallen. Feines Cover, feines Layout, durchweg schwarzweiß auf fast schon zu dickem Papier gedruckt. Auch auf den Inhalt war ich nach dem ersten Durchblättern mehr als gespannt. Also schnell die Backen aufgeblasen und so lange gedrückt bis ich zu einem ausdauernden Gang zum Scheißhaus bereit war. Mit einem „Lebewohl bis Übermorgen“ verabschiedete ich mich von meiner geliebten Familie. Schnell war dort klar, dass Smart Alex das Y&D, außer ein paar Gastbeiträgen, mittlerweile fast im Alleingang macht. Auch er selbst beklagt sich im Vorwort über Demotivation und Schreiblethargie, aber irgendwie soll es wohl trotzdem weitergehen, so ungewiss die Zukunft auch ist. Kommen wir zum Inhalt: Interviews gibt’s mit den Tight Finks aus der Schweiz, Frankenstyle (77er Punkrock aus dem Land der Schluchtenscheißer), Ciurma Skins (mit denen man sich vor allem über ihre Heimat Sardinien „unterhält“), der Schweizer Wrestlerin Amy Cooper (Ahh, mal was anderes), The Incredible Staggers (60s Garage trash Rock’n’Roll aus Graz) und Determination (Seewinkel Hardcore). Eigentlich eine sehr interessante Mischung, aber irgendwie ist es größtenteils doch so, dass die Interviews recht oberflächlich bleiben. weiterlesen →

RANCID – Let The Dominoes Fall

| Oktober 27th, 2009

rancid-e28093-let-the-dominoes-fall(CD, Epitaph)
Rancid haben knapp sieben Jahre auf den Nachfolger der „Indestructible“ warten lassen. Da spielte sicher die Krankheit von Gründungsmitglied und Bassist Matt Freeman eine Rolle. Und die Neben- und Soloprojekte von Tim Armstrong und Lars Frederiksen. Und es blieb eine Menge Zeit, um ein umwerfendes Album zu stricken. Aber es gibt Dinge, die kann man nicht kaufen und die reifen auch nicht wie Käse. Tim Armstrong und seine Buddys, darunter unter anderem Soul-Legende Booker T an der Hammondorgel bei „Up To No Good“, Greg Graffin im Background, Brett Gurewitz als Produzent, Lars Frederiksen, Matt Freeman und der neue Drummer Branden Steineckert (ex-THE USED) haben variationsreiche Songs ohne den ausschlaggebenden Bumms geschaffen. weiterlesen →

RADAU AG – Stempel drauf

| Oktober 27th, 2009

radauag(CD, Contra Rec)
Spaß, Freiheit und Altbier: Musik aus dem Rheinland macht irgendwie immer Freude. Hier steht der Ernst ganz hinten an. Obwohl es manchmal ganz schön rebellisch zugeht, lassen sich die vier Rheinländer von niemandem in die Suppe spucken und feiern das Leben, allem voran sich selbst! Kay

feinesahnefischfiletcover_nurfront(CD, Diffidati Records)
Nun, wenn ich was aus Meck-Pomm erwarte, dann auf jeden Fall keine Ska-Punk-Band mit so ’nem Namen. Genauso ungewöhnlich im Vergleich zur Mucke sieht einer der beiden Sänger aus. Denn der bedient eher das Klischee des tumben, latent rechten Vollhonks aus dem hohen nordöstlichen Teils dieses Landes. Dieser „Vorteil“ kommt ihm aber sicher nicht unrecht, wenn ich mir anhöre, wie offensiv die Band mit dem täglichen Problem Rechtsradikalismus umgeht. So gesehen ist es auch schon wieder verwunderlich wie positiv die Scheibe ausgefallen ist und freue mich, dass die vakante Lücke, die No Respect vor Jahren hinterlassen hat, jetzt wieder besetzt ist. Denn kurz gesagt machen FSF politisch motivierten Ska-Punk mit ’nem klasse Hang zur Party. Bocky

the-devilrock-four-e28093-first-in-line(CD, Unconform Records)
Gegründet wurden The Devilrock Four 2005 von drei Tasmaniern, die inzwischen nach Melbourne übergesiedelt sind und, wie der Name vermuten lässt, einen vierten Mann gefunden haben. Das Debütalbum der Band schlug in Australien wohl relativ gut ein und sie wurden sogar eingeladen beim Benefiz-Konzert für eine Statue für den längst verstorbenen AC/DC-Sänger Bon Scott mitzuspielen. Geschenkt. Das noch junge Frankfurter Label Unconform Records hat sich die Europa-Rechte gesichert. Geboten werden relativ lange Songs, die kaum als Punkrock bezeichnet werden können, sondern eher an einen Bastard von US-College-Rock und Hardrock erinnern. Insgesamt ist das alles ziemlich lahm. Die Nähe zu AC/DC lässt sich zwar erahnen, aber es ist doch alles viel zahmer und glatter produziert. Schade. Textlich wurden sie von der heimischen Presse als Pub Rock Poetry konfiguriert. Also eher bierselig als bierernst. Meine Tasse Bier ist es aber trotzdem nicht. Obnoxious

the-last-resort-e28093-youe28099ll-never-take-us(CD, I Scream Records)
Die Platte knüpft da an, wo die Band sich angeblich 1982 zurückgezogen hat, aufgehört haben sie in Wirklichkeit nie. Das hört und fühlt man, wenn sich die Musik und Texte ganz langsam in den Kopf hämmern. 14 Oi-Hymnen, die einen nicht mehr loslassen. Für die Melodien zuständig: Die ehemaligen Anti Nowhere League-Mitglieder JJ Kaos und Beef an Bass und Gitarre. Am Gesang ist natürlich Roi Pearce, ohne den die Band undenkbar wäre. Hammerplatte, wenn die Jungs live auch noch so gut wären, könnte manch einer einpacken! Kay

Martin Huxley – AC/DC

| Oktober 27th, 2009

acdc(Taschenbuch, Hannibal Verlag, 223 Seiten, 14,95 Euro)
AC/DC oder Kiss war früher mal die große Gewissensfrage und wahrscheinlich ist sie es heute noch. Ich für meinen Teil kann das eindeutig und uneingeschränkt mit AC/DC beantworten. Meine erste selbst gekaufte LP, die „Alle gegen Alle“ von der Deutsch Amerikanischen Freundschaft, habe ich schon kurz nach dem Kauf mit meinem damaligen Nebensitzer Klaus Manuel gegen die „For Those About To Rock“ von AC/DC getauscht. Klaus Manuel, seines Zeichens Pfarrersohn und der erste Punkrocker, den ich jemals sah (er war gerade sitzen geblieben und hatte eine echt krasse Frisur, nämlich einen rot gefärbten Iro), habe ich nur zwei Jahre später aus den Augen verloren, denn er ist noch mal sitzen geblieben und hat dann die Schule gewechselt. Die „Alle gegen Alle“ habe ich dafür inzwischen wieder doppelt im Plattenregal stehen … Gleich neben dem Sammelsurium an AC/DC-Platten. weiterlesen →

bernemann01(Taschenbuch, Ubooks Verlag, 118 Seiten, 9,95 Euro)
Aussichtslos, finster, morbid und schonungslos – das wären so die Schlagworte mit denen sich das Erstlingswerk von Dirk Bernemann beschreiben ließe. Das Buch liefert szenisch und episodenhaft in 13 Kapiteln intime Einblicke in kaputte Lebenswelten und menschliche Abgründe. 13 mal spritzendes Blut, platzende Schädel und zermatschte Gedärme. Jedes Kapitel hat seine eigene Hauptperson, die von ihrem Schicksal erzählt. Sprachlich jeweils an die Psyche angepasst. Und die Szenen beschreiben die Gefühlswelt kurz vor der Eskalation. Der Clou ist, dass sich die 13 ganz unterschiedlichen Schicksale quasi die Klinke in die Hand geben, sich sozusagen kettenreaktionsmäßig bedingen. Ein Staffellauf der kranken Gehirne, wobei der Stab von Kapitel zu Kapitel weiter gegeben wird. Wer wissen will, was ein durchgeknallter Multidrogist, der im Wahn –äußerst brutal – seine Freundin umbringt, ein skrupelloser und selbstgerechter Bulle mit Allmachtsvorstellungen, ein herrischer, vom Verlauf seines Lebens enttäuschter Endfünfziger, ein skrupelloser und wortkarger Auftragskiller, eine frisch verliebte, von ihrem Job angeekelte Nutte, die den Ausstieg sucht, ein Straßenbahnfahrer, der eine Selbstmörderin überfährt und danach sein Heil in Gott und Alkohol sucht, eine kollabierende Technotusse, die in der Notaufnahme landet, ein linksorientierter Sanitäter beim Großeinsatz nach einem Attentat auf die Chemiefabrik, die arbeitslose Musikerin und ihre nicht gerade alltäglichen Erlebnisse beim ersten Gig der Band, den Kontaktanzeigenbeantworter, den Obdachlosen, der die Stiefel einen Horde Hools kennen lernt, den perspektivlosen, aber verliebte Jugendlichen, der seine Freunde mit dem Auto in den Tod rast und die verzweifelte Mutter, die den Tod ihres Sohnes nicht verkraften kann, gemeinsam haben, der sollte unbedingt „Ich hab die Unschuld kotzen sehen“ lesen. Zart besaitet sollte man dazu aber nicht sein. Eher hart gesotten. weiterlesen →